Klassische Musik, Pop und Volksmusik im Radio, Jazz im staatlichen Fernsehen und internationale Avantgardisten wie Karlheinz Stockhausen und John Cage beim Shiraz Festival of Arts: Das kulturelle Leben im Iran vor 1979 war vielfältiger, als es aus heutiger Sicht erscheinen mag. Frei war das Land allerdings auch unter Schah Mohammad Reza Pahlavi nicht. Kritikerinnen und Kritiker des Regimes wurden vom Geheimdienst SAVAK verfolgt und inhaftiert.
Mit der Islamischen Revolution von 1979 begann eine tiefgreifende Zäsur – besonders für Kunst- und Kulturschaffende. Unterhaltungsmusik wurde zunächst verboten, öffentliche Auftritte von Sängerinnen vor einem gemischten Publikum stark eingeschränkt. Zahlreiche Musikerinnen und Musiker verließen das Land.
Los Angeles, von Iranerinnen und Iranern auch „Tehrangeles“ genannt, entwickelte sich zu einem Zentrum der iranischen Popmusik. Weitere musikalische Biotope entstanden in London, Paris, Berlin und Köln. Lange schien es aus westlicher Perspektive, als gingen neue Impulse vor allem von der Exilszene aus. Erst mit der Verbreitung des Internets wurde sichtbar und hörbar, wie vielfältig sich auch die Musik im Iran selbst weiterentwickelt hatte.
Heute existiert in der Islamischen Republik Musik nahezu aller Genres: erlaubte und verbotene, öffentlich aufgeführte und nur im Privaten gehörte. Musik und Tanz behaupten sich trotz Zensur und staatlicher Kontrolle – bei ausgelassenen Hochzeitsfeiern ebenso wie bei konspirativ organisierten Techno-Partys in der Wüste.
In seinem Vortrag beleuchtet Bernd G. Schmitz die jüngere Geschichte Irans und eine Musikszene, die sich im Spannungsfeld von Kunst und Politik, Alltag und Repression, Anpassung und Widerstand bewegt. Zahlreiche Film- und Musikbeispiele machen diese vielschichtige Kulturgeschichte hör- und sichtbar.